Gesund & Leben - Oktober 2026

WARUM WIR NÄHE BRAUCHEN und wie BERÜHRUNGEN WIRKEN OHNE LEISTUNGSDRUCK Wie man Freude an der Bewegung findet GUT LEBEN BIS ZULETZT Palliativmedizin hilft dabei, Lebensqualität zu erhalten GESUNDE ZELLEN LANGES LEBEN Was die Zellen altern lässt und was sie fit hält ALPINE VITALKÜCHE So schmecken kulinarische Schätze des Alpenraums der Berührung Die Kraft GESUND LEBEN in niederösterreich 10 / 26, 21. Jahrgang, € 2,40

Einfach bereit. Dein Blick in die Zukunft. Das Accu-Chek® SmartGuide CGM für Ihren Alltag mit Diabetes. Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) mit Vorhersagen.1 Bitte beachten Sie, dass es sich bei den hier angeführten Produkten um Medizinprodukte zur Anwendung für Patientinnen handelt. Vor Gebrauch dieser Produkte muss die Gebrauchsinformation beachtet und ärztlicher Rat eingeholt werden. Referenzen: 1. Die SmartGuide Predict App prognostiziert die allgemeine geschätzte Glukoseentwicklung innerhalb der nächsten 2 Stunden (Glukosevorhersage), das geschätzte Risiko einer Unterzuckerung innerhalb der nächsten 30 Minuten (Vorhersage für niedrigen Glukosewert) und das geschätzte Risiko einer nächtlichen Unterzuckerung innerhalb der nächsten 7 Stunden (Vorhersage für nächtliche Unterzuckerung, aktiv zwischen 21:00 und 02:00). 2. Glatzer T et al. Vol. 18, Journal of Diabetes Science and Technology. SAGE Publications Inc.; 2024. p. 1009–13. 3. Bogaarts G et al. Diabetes Res Clin Pract. 2026; 234: 1131-88. ACCU-CHEK und ACCU-CHEK SMARTGUIDE sind Marken von Roche. © 2026 Roche Diabetes Care | www.accu-chek.at Roche Diabetes Care Austria GmbH | 1210 Wien | Engelhorngasse 3 Jetzt CGM mit Glukosevorhersagen entdecken1 30 Minuten – Vorhersage für niedrigen Glukosewert: Frühzeitige Hinweise auf drohende Unterzuckerungen. So können Sie proaktiv handeln.1,2 2 Stunden – Glukosevorhersage: Mit dem Wissen, wie sich Ihr Glukosespiegel voraussichtlich weiterentwickelt, können Sie vorausschauend planen und so dazu beitragen, Über- und Unterzuckerungen zu vermeiden.1,3 7 Stunden – Vorhersage für nächtliche Unterzuckerung: Eine frühzeitige Einschätzung Ihres Risikos für die Nacht kann zu mehr Sicherheit und einem durchgängigeren Schlaf beitragen.1-3 Jetzt informieren und testen! accu-chek.at/cgm ANZEIGE

3 www.gesundundleben.at 10 / 26 … HIV-Neudiagnosen wurden im vergangenen Jahr in Österreich gestellt. Das Durchschnittsalter der Menschen, die mit HIV in Behandlung sind, ist seit 2002 von 39,2 auf 51,1 Jahre gestiegen. Mehr als ein Viertel ist bereits 60 Jahre oder älter. Gerade bei Frauen wird HIV mitunter erst spät erkannt, da sie seltener klassischen Risikogruppen zugeordnet werden. Eine wichtige Rolle spielt deshalb ein breiteres Bewusstsein für HIV-Tests unabhängig von Alter und Geschlecht. Europaweit steigen zudem die Zahlen sexuell übertragbarer Infektionen, unter anderem durch verändertes Sexualverhalten, aber auch durch bessere Diagnostik. Wird HIV rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, kann der Ausbruch von Aids verhindert und eine nahezu normale Lebenserwartung erreicht werden. Bei erfolgreicher Therapie ist das Virus zudem nicht mehr sexuell übertragbar. ■ E-Zigaretten könnten sich ungünstig auf den Blutzucker auswirken. Darauf deutet eine internationale Analyse unter Beteiligung von Grazer Forschenden hin. Das Team wertete Daten aus bisherigen Studien mit insgesamt rund 2,8 Millionen Menschen aus. Demnach hatten Personen, die ausschließlich E-Zigaretten nutzten, ein um 34 Prozent höheres Risiko für Prädiabetes als Menschen, die nicht dampften. Auch Hinweise auf eine Insulinresistenz – bei der Körperzellen schlechter auf Insulin reagieren – traten häufiger auf. Bei gleichzeitigem Konsum von herkömmlichen und E-Zigaretten war zudem das Diabetesrisiko um 23 Prozent erhöht. Die im Fachjournal Internal and Emergency Medicine veröffentlichten Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang, beweisen jedoch noch keine Ursache. ■ LEBENSFREUDE: TIPPS & INFOS Zahl des Monats 417 … chronische Schmerzen das Gehirn verändern? Forschende des Inselspitals Bern und der Universität Freiburg haben mittels MRT das Gehirn von 30 Menschen mit chronischen Schmerzen mit jenem von 30 gesunden Personen verglichen. Dabei entdeckten sie Unterschiede in der Faltung der Großhirnrinde – unter anderem in Regionen, die Emotionen, Erinnerungen und die Fisch liefert wertvolle Nährstoffe – beim Einkauf lohnt sich aber ein Blick auf die Herkunft. Unabhängige Siegel wie MSC für Wildfisch oder ASC für Zuchtfisch können Orientierung bieten. Dabei zählt nicht nur die Fischart: Fanggebiet, Fangmethode und Bedingungen in der Zucht sind ebenfalls entscheidend. Abwechslung hilft zudem, stark nachgefragte Bestände zu entlasten – statt immer Lachs oder Thunfisch dürfen auch andere Arten auf den Teller. Bedrohte Arten wie der Europäische Aal sollten gemieden werden. Praktisch ist Tiefkühlfisch: Er ist lange haltbar, gut portionierbar und kann Lebensmittelverschwendung reduzieren. Generell gilt: bewusst einkaufen, nur benötigte Mengen wählen und auf nachvollziehbare Herkunft achten. ■ ■ GESUNDHEITSTIPP DES MONATS Bewertung von Schmerzen verarbeiten. Noch ist unklar, ob diese Veränderungen durch die chronischen Schmerzen entstehen oder bereits zuvor vorhanden waren. Hoffnung macht die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns: Die Forschenden halten es für möglich, dass sich die Hirnstruktur im Zuge einer erfolgreichen Schmerztherapie wieder jener schmerzfreier Menschen annähert. n E-Zigaretten könnten Prädiabetes fördern FOTOS: MAGNIFIC: _YOGIERMANSYAH22, _MINDRAPURNOMO, _USER16945876, _USER17340861 FISCH nachhaltig genießen WUSSTEN SIE, DASS ...

4 30 B auch in Balance Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung: Was dahinterstecken kann 32 G ut geschlafen? Wie viel Schlaf Kinder brauchen 36 G ezielt gegen Brustkrebs Welche Behandlung für jede einzelne Frau die beste ist 39 F it ins neue Leben Onkologische Rehabilitation 40 P ause im Kopf Bewusst innehalten, damit Stress kein Dauerzustand wird Jeden Donnerstag die besten Gesundheits- tipps auf Ihrem Computer, Ihrem Laptop oder auf Ihrem Handy erhalten! WOCHE FÜR WOCHE MEHR GESUNDHEIT! Der GESUND & LEBENNewsletter ist da! Melden Sie sich jetzt an unter www.gesundundleben.at/newsletter oder scannen Sie den QR-Code. Die nächste Ausgabe von GESUND & LEBEN erscheint am 02.11.2026. Bewegung ohne Leistungsdruck 24 6Die Kraft der Berührung ■ LEBENSFREUDE 03 Tipps & Infos 06 D ie Kraft der Berührung Warum wir Nähe brauchen und wie sich Berührungsmangel auswirkt 12 A lpenglühen aufgetischt Kulinarische Schätze des Alpenraums neu interpretiert ■ LEBENSKRAFT 18 G esunde Zellen – langes Leben Was die Zellen altern lässt, was ihnen schadet und was sie fit hält 22 G enuss kennt kein Alter Starke Muskeln und Knochen mit der richtigen Ernährung 24 B ewegung ohne Leistungsdruck Wie man Freude an Bewegung findet 26 I mpulse auf vier Hufen Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde 28 A ugen auf! Die eigene Augengesundheit im Blick behalten Pause im Kopf 40

www.gesundundleben.at 07 & 08 / 26 5 LIEBE LESERINNEN UND LESER! Den Tagen mehr Leben geben – und nicht dem Leben mehr Tage. Darum bemühen sich die Palliativteams in den niederösterreichischen Landes- und Universitätskliniken und sichern den Patientinnen und Patienten Lebensqualität bis zuletzt. Doch Palliativmedizin ist weit mehr als Begleitung am Lebensende. Sie soll schwerkranken Menschen möglichst früh dabei helfen, Beschwerden zu lindern, Lebensqualität zu erhalten und jene Zeit, die vor ihnen liegt, so selbstbestimmt und gut wie möglich zu gestalten. Palliative Care steht für „Pallium“, lateinisch „der Mantel“, und meint ein spezialisiertes Team, das Patientinnen und Patienten mit einer unheilbaren Erkrankung schützt und unterstützt. „Care“ heißt sich bemühen, sich sorgen. Es bedeutet, die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen in Gesprächen zu erkennen, gemeinsame Ziele zu finden und so weitere (Therapie-) Schritte zu planen. Die Palliativversorgung in Niederösterreich ermöglicht eine umfassende und individuelle Betreuung. Mobile Hospiz- und Palliativteams unterstützen die schwerkranken Menschen zu Hause im Kreis ihrer Liebsten. Damit wird ein integriertes und auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmtes Versorgungssystem umgesetzt, das die Menschen über Einrichtungs- und Fachgrenzen hinweg mit unterschiedlichen Leistungen begleiten kann. Was es bedeutet, auf einer Palliativstation zu arbeiten, lesen sie ab Seite 44. Besondere Menschen arbeiten hier – viel Herz und Empathie sind nötig, um schwerkranken Menschen ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Wir brauchen Nähe und Geborgenheit. Lange bevor der Mensch Sprache entwickelte, verständigte er sich über den Körper – über Nähe, Blickkontakt und Berührungen. Schon Säuglinge kommunizieren über Berührung, bevor sie Sprache verstehen oder selber sprechen können. Körperkontakt schenkt ihnen Sicherheit, Zuwendung und Geborgenheit. Berührung ist unser erster Sinn und bringt uns ins Gleichgewicht. Ein Mangel an körperlicher Berührung wirkt sich auf den Körper und das psychische Befinden aus. Das belegen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Über die Kraft der Berührung lesen Sie mehr in dieser Ausgabe von GESUND & LEBEN. Sowie über viele weitere Anregungen und Impulse für ein langes – und vor allem gesundes – Leben. LEBENSQUALITÄT BIS ZULETZT EDITORIAL Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau ■ LEBENSNAH 42 Tipps & Infos 43 P ost an Kliniken und Pflegezentren Danke sagen 44 G ut leben bis zuletzt Palliativmedizin hilft Schwerkranken dabei, Lebensqualität zu erhalten 48 Z eit für mich Wie Frauen sich selbst stärker in den Mittelpunkt stellen 50 D as große GESUND & LEBEN-Rätsel Jetzt miträtseln und gewinnen! 48Zeit für mich 10 / 26 Bauch in Balance 30 FOTOS: MAGNIFIC: _HAMIM26, _GREAT.VECTOR; ISTOCK: _RGSTUDIO, _STRELNIKOVA; WERNER SCHRITTWEISER, BEIGESTELLT

DIE KRAFT der Berührung Warum wir Nähe brauchen, was Berührungsmangel mit uns macht und wie sanfte Berührungen bei depressiven Verstimmungen helfen können. Lange bevor der Mensch Sprache entwickelte, verständigte er sich über den Körper: über Nähe, Blickkontakt und Berührungen. Körperkontakt kann ganz ohne Worte emotionale Botschaften vermitteln wie „Ich bin bei dir“, „Komm mit“ oder „Ich tröste dich“. Schon Säuglinge kommunizieren über Berührung, lange bevor sie Sprache verstehen oder selbst sprechen können. Körperkontakt schenkt ihnen Sicherheit, Zuwendung, Nähe und Geborgenheit. „Berührung ist unser erster Sinn“, erklärt die Ärztin und Berührungsexpertin Dr. Michaela Arnold. „Noch bevor wir sehen oder hören können, nehmen wir Kontakt über die Haut wahr. Über Berührung entsteht Bindung, und das Kind lernt gleichzeitig, den eigenen Körper und seine Grenzen wahrzunehmen.“ Das Bedürfnis nach Berührung und körperlicher Nähe begleitet uns ein Leben lang. Doch warum sehnen wir uns danach und warum fällt es uns so schwer, ohne Körperkontakt auszukommen? „Berührung bringt uns ins Gleichgewicht“, sagt Arnold. „Wenn wir liebevoll und achtsam berührt werden, reagiert unser Körper auf verschiedenen Ebenen. Stresshormone wie Cortisol werden reduziert, während beruhigende Boten-

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stoffe wie Oxytocin ausgeschüttet werden. Gleichzeitig wird der parasympathische Anteil unseres Nervensystems aktiviert – also jener Teil, der für Ruhe und Regeneration zuständig ist. Herzschlag und Atmung werden ruhiger, die Muskelspannung lässt nach.“ Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre kamen Forschende den speziellen Berührungsfühlern unserer Haut auf die Spur. Mithilfe der Mikroneurografie, einer Methode, bei der eine hauchdünne Elektrode die Aktivität einzelner Nervenfasern erfasst, wiesen sie sogenannte C-taktile Fasern nach. Wenn jemand langsam und sanft über den Arm streichelt, werden die Signale der C-taktilen Fasern über das Nervensystem unter anderem an Hirnregionen weitergeleitet, die eng mit Wahrnehmungen des eigenen Körpers und unserem emotionalen Erleben verbunden sind. „Berührungen nehmen wir deshalb nicht nur auf der Haut wahr“, erklärt Arnold. „Sie können uns ein tiefes Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Verbundenheit vermitteln.“ BERÜHRUNG ALS SOZIALE KRAFT „Berührung ist der körperliche Ausdruck von Verbindungen zwischen Menschen“, sagt Prof. Dr. Ilona Croy, Psychologin und Berührungsforscherin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wie tief diese Form der nonverbalen Kommunikation in unserer Entwicklungsgeschichte verankert ist, zeigt ein Blick auf unsere nächsten Verwandten: Bei Primaten hat körperlicher Kontakt eine wichtige soziale Funktion. Beim gegenseitigen Grooming, also der Körperpflege, werden nicht nur Fell und Haut gepflegt. Die Tiere stärken damit soziale Beziehungen, fördern den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe und können Spannungen abbauen. Im Leistungssport ist Berührung ebenfalls allgegenwärtig: Schulterklopfen oder Umarmungen können Freude „Berührung sollte wieder den Stellenwert bekommen, den sie verdient“ Bei welchen Beschwerden können Berührungen helfen? Berührung und Massagetherapie können bei ganz unterschiedlichen Beschwerden hilfreich sein – etwa bei Schmerzen, Stress, Schlafstörungen, Ängsten oder depressiver Stimmung. Gerade bei chronischen Erkrankungen oder in belastenden Lebensphasen kann Berührung zusätzlich stabilisierend wirken. Bei körperlicher und seelischer Anspannung kann sie dazu beitragen, wieder zur Ruhe zu kommen. Entscheidend ist dabei die Qualität. Berührung sollte ruhig, achtsam und respektvoll sein und natürlich als angenehm empfunden werden. Dann kann sie körperliche Verspannungen lösen und gleichzeitig das Gefühl vermitteln, gesehen und angenommen zu werden. Leiden ältere Menschen vermehrt unter Berührungsarmut – und welche Auswirkungen kann das haben? Das Bedürfnis nach Berührung bleibt auch im hohen Alter bestehen – manchmal wird es sogar größer. Gleichzeitig nehmen die Gelegenheiten dafür häufig ab: Der Partner ist vielleicht verstorben, der Freundeskreis wird kleiner und körperliche Einschränkungen erschweren soziale Kontakte. Was fehlen kann, ist die Berührung, die Zuwendung, Nähe und Geborgenheit vermittelt. Berührungsarmut kann Einsamkeit, innere Unruhe und depressive Verstimmungen verstärken. Umso wichtiger sind gerade im Alter kleine Gesten: eine bewusst gehaltene Hand, eine sanfte Berührung am Arm oder eine achtsam ausgeführte Pflegehandlung. Besonders bei demenziell erkrankten Menschen kann Berührung einen Zugang ermöglichen, wenn Worte sie kaum noch erreichen. Was ist das Ziel der sogenannten Berührungsmedizin? Wir wollen der Berührung wieder einen festen Platz im Gesundheitswesen geben. Dabei verstehen wir Berührungsmedizin weniger als eine einzelne Methode, sondern vielmehr als eine Haltung: den Menschen in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und die heilsame Kraft von Berührung bewusst in den therapeutischen Prozess einzubeziehen. Berührungsmedizin möchte deshalb wissenschaftliche Erkenntnisse zur Berührung zusammenführen, Forschung fördern und unterschiedliche Gesundheitsberufe miteinander vernetzen. Unser Anliegen ist eine Medizin, in der fachliche Kompetenz und menschliche Zuwendung selbstverständlich zusammengehören. Dr. Michaela Arnold, Ärztin, staatlich ausgebildete Masseurin und Buchautorin BERÜHRUNG FOTOS: ISTOCK_PEOPLEMAGES, MAGNIFIC: _USER22951041 8

teilen, Mut machen oder Trost spenden. Eine Studie mit NBA-Spielern fand einen Zusammenhang zwischen frühem Berührungsverhalten und späterer Teamleistung. Teams, deren Spieler sich zu Saisonbeginn häufiger berührten, schnitten im weiteren Spielverlauf besser ab. Eine eindeutige Kausalität konnte die Studie aus dem Jahr 2010 zwar nicht beweisen, die Forschenden vermuten aber, dass Berührung über eine stärkere Kooperation zum Teamerfolg beitragen könnte. Dass Berührung unser Verhalten tatsächlich beeinflussen kann, zeigt der sogenannten „Midas-Touch-Effekt“. Der Name geht auf eine Studie aus dem Jahr 1984 zurück: Kellnerinnen, Berührungen können uns ein tiefes Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Verbundenheit vermitteln. Wer an Gesundheitsvorsorge denkt, hat meist Arztbesuche, Vorsorgeuntersuchungen oder einen gesunden Lebensstil vor Augen. Doch auch die Frage, wie man im Fall eines Krankenhausaufenthalts versorgt sein möchte, gehört für viele Menschen dazu. Die Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Lebens. Während junge Erwachsene oft einen leistbaren Einstieg suchen, gewinnen bei Familien Sicherheit und Planbarkeit an Bedeutung. Später rückt häufig der Wunsch nach einem umfassenderen Krankenhausschutz stärker in den Fokus. Denn die relevante Frage ist nicht, ob sich das Leben verändert, sondern wann. Wer heute allein lebt, gründet vielleicht morgen eine Familie, andere möchten ihren Gesundheitsschutz später ausbauen. Gesundheitsvorsorge sollte deshalb genügend Spielraum bieten, um auf neue Lebenssituationen reagieren zu können. Die öffentliche Gesundheitsversorgung bildet in Österreich die Grundlage der medizinischen Versorgung. Eine private Krankenversicherung kann diese sinnvoll ergänzen und zusätzliche Wahlmöglichkeiten schaffen, wenn ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird. Dazu zählen etwa die freie Arztwahl im Krankenhaus, die Unterbringung in der Sonderklasse oder Leistungen rund um den Aufenthalt, wie Zuschüsse zum Familienzimmer, wenn Eltern bei ihren Kindern bleiben möchten. Darüber hinaus profitieren Versicherte je nach Tarif von Angeboten zur Gesundheitsvorsorge, etwa dem VitalCheck, sowie vom Zugang zu privaten Gesundheits und Therapieeinrichtungen. Als Vater weiß ich, dass sich Prioritäten im Leben verändern können. Umso beruhigender ist es, wenn man weiß, dass die eigene Gesundheitsvorsorge Schritt halten kann. Denn gute Vorsorge bedeutet nicht nur finanzielle Absicherung, sondern auch die Gewissheit, im Bedarfsfall die passende Unterstützung zu haben. IM SPITAL GUT ABGESICHERT – VORSORGE MUSS ZUM LEBEN PASSEN VERSICHERUNG im Fokus ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG • FOTO: NATASCHA UNKART & ISABELLE KÖHLER. Dipl.-Ing. Mag. Dr. Hans Aubauer, CFA, Leiter der Krankenversicherung UNIQA Insurance Group und CEO der UNIQA Health Services 9 www.gesundundleben.at 10 / 26

Prof. Dr. Ilona Croy TOUCH ME DIE GEHEIME SUPERKRAFT DER BERÜHRUNG „Touch me“ öffnet die Augen für eine alltägliche, aber unterschätzte Kraft: die Berührung – und ihre verblüffende Wirkung auf Körper und Seele. Dieses Buch führt tief hinein in die Welt des Tastsinns und erklärt, wie eng Berührung mit unserem Gehirn, unserem Verhalten und unserer Gesundheit verknüpft ist. Anhand faszinierender Studien erfahren Sie: Körperkontakt stärkt Teams, verbessert Beziehungen, senkt Stress und kann sogar unsere Hirnentwicklung beeinflussen. ISBN: 978-3-831206513 Bruno Müller-Oerlinghausen, Gabriele Mariell Kiebgis BERÜHRUNG WARUM WIR SIE BRAUCHEN UND WIE SIE UNS HEILT Berührung gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Ein Mangel daran kann nachweislich krank machen. Umgekehrt können Berührungen sowohl bei körperlichen als auch psychischen Erkrankungen therapeutisch eingesetzt werden. Die Haut ist das Organ, an dem unser Selbstbewusstsein, unsere Identität hängt und das über eine eigene Intelligenz verfügt. Wie kommunizieren Haut und Gehirn? Wie entsteht das Wohlgefühl einer sanften Berührung? In der Beantwortung dieser Fragen zeigt sich, wie sehr Berührungen Teil unseres biologischen Urprogramms sind. Sie sind unverzichtbar für den Erhalt unserer Gesundheit und mobilisieren als Lebenselixier unsere Selbstheilungskräfte. ISBN: 978-3-843717991 Dr. Michaela Arnold DAS BERÜHRUNGSBUCH WIE BERÜHRUNG KÖRPER, GEIST UND SEELE STÄRKT Wir brauchen Berührung – ein Leben lang. Als Ärztin und Masseurin weiß Michaela Arnold, wie heilsam Berührung für Körper und Seele sein kann. In diesem Buch vermittelt sie inspirierende Impulse und einfühlsame Übungen, mit denen sich Berührung achtsam in den Alltag integrieren lässt. Dabei hilft das Modell der „Berührungsblume“, die vielfältigen Dimensionen von Berührung zu erfassen und die eigene Berührungsbiografie besser zu verstehen. Mit einer Verbindung aus fundiertem medizinischem Wissen und persönlichen Erfahrungen lädt dieses Buch dazu ein, Berührung neu zu entdecken – als Quelle von Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität. Für alle, die sich selbst und anderen mit mehr Achtsamkeit begegnen möchten. ISBN: 978-3-608860924 die ihre Gäste beim Zurückgeben des Wechselgelds kurz an der Hand oder der Schulter berührten, erhielten im Durchschnitt höhere Trinkgelder als ohne Berührung. DIE SPRACHE DER NÄHE Insbesondere in der Partnerschaft sind liebevolle Berührungen eine wichtige Form der Kommunikation. „Viele Paare entwickeln im Laufe der Zeit ihre ganz eigene ‚Tastsprache‘ – eine Umarmung, ein spontanes Händchenhalten oder eine kurze Berührung im Vorbeigehen“, sagt Arnold. „Solche Gesten schaffen Nähe und vermitteln: Wir gehören zusammen.“ Auch Croy beobachtet einen Zusammenhang zwischen Berührung und Beziehungszufriedenheit. Wie häufig sich Paare liebevoll berühren, ist dabei sehr unterschiedlich. „Die meisten Paare sagen, dass sie sich zwischen zwei- und zehnmal am Tag auf eine liebevolle Weise berühren. Es gibt aber auch Paare, die deutlich öfter und auch deutlich weniger Berührung haben. Das ist unproblematisch, solange sich beide einig sind.“ Problematisch wird es laut Croy vor allem dann, wenn fast gar keine Berührung mehr zwischen den Partnern stattfindet: „Dann finden wir auch eine deutlich schlechtere Konfliktlösefähigkeit, schlechtere Kommunikation, eine generelle Unzufriedenheit und Gefühle von Einsamkeit in der Partnerschaft.“ Croy verweist zudem auf eine Studie, die zeigte: Paare, die sich bewusst häufiger liebevoll berührten, waren zufriedener mit ihrer Beziehung. WENN NÄHE FEHLT Wie wirkt sich ein Mangel an körperlicher Berührung auf den Körper und das psychische Befinden aus? „Wenn Berührung fehlt, fehlen auch viele ihrer regulierenden Wirkungen“, erklärt Arnold. „Der Körper bleibt häufiger in einem Zustand erhöhter Anspannung. Innere Unruhe, ein stärkeres Stressempfinden, Schlafprobleme oder depressive Verstimmungen können damit einhergehen. Besonders eng ist Berührungsarmut mit dem Erleben von Einsamkeit verbunden.“ Croy beschreibt noch einen weiteren Zusammenhang: „Menschen, die wenig Berührung erfahren, sind älter, eher Männer als Frauen, sie sind depressiver, fühlen sich einsamer und sie sind ängstlicher.“ Daraus könne ein Teufelskreis entstehen: „Wenn wir depressiv sind, ziehen wir uns zurück. Und wenn wir ängstlich sind, trauen Buchtipps FOTOS: MAGNIFIC: _ANGELGAL4ONA; ISTOCK: _RGSTUDIO 10 BERÜHRUNG

wir uns weniger, in Kontakt mit anderen zu treten. Das führt dazu, dass wir einsamer werden, weniger schöne gemeinsame Erfahrungen mit anderen machen und dadurch noch depressiver und ängstlicher werden können. Berührungsmangel sei hier ein Symptom einer generellen Einsamkeit. „Man kann das mit etwas Mut bewusst durchbrechen“, sagt Croy. Beispielsweise indem man sich zum Teamsport, zu einer gemeinsamen Wanderung oder einem Chornachmittag anmeldet, Freunde einlädt und sie zur Begrüßung herzlich umarmt. „Man kann aber auch einfach eine Massage buchen, das hellt die Stimmung nachweislich auf.“ HEILSAME BERÜHRUNG Im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchte Michaela Arnold, wie sich eine speziell entwickelte affektregulierende Massagetherapie auf Menschen mit Depressionen auswirkt. „Depressionen betreffen nicht nur unsere Gedanken und Gefühle, sondern immer auch den Körper“, sagt sie. „Viele Betroffene leiden unter innerer Anspannung, Schlafstörungen, Schmerzen und Erschöpfung. Häufig beschreiben sie auch, dass sie sich selbst kaum noch spüren oder keine Freude mehr empfinden können.“ Die affektregulierende Massagetherapie arbeitet mit sanftem Druck und ruhigem Tempo. Bei den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern beobachtete Arnold nicht nur eine deutliche Verbesserung depressiver Beschwerden, sondern auch der körperlichen Schmerzen. Noch eindrucksvoller war für sie, was die Behandlung darüber hinaus bewirkte: „Viele berichteten, dass sie sich durch die Behandlung wieder stärker mit sich selbst und ihrem Körper verbunden fühlten. ‚Ich habe mich angenommen gefühlt‘, war eine häufige Rückmeldung.“ Gerade bei einer Depression, die oft mit Rückzug, Gefühllosigkeit und dem Verlust von Verbundenheit einhergeht, könne der Zugang über den Körper besonders wertvoll sein, erklärt Arnold. „Massagetherapie ersetzt dabei keine notwendige psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Sie kann aber eine wertvolle Ergänzung sein und Betroffenen helfen, wieder mehr ins Spüren und damit ein Stück weit zurück ins Leben zu kommen.“ JACQUELINE KACETL n Berührung ist der körperliche Ausdruck einer Verbindung zwischen Menschen. Die in besten Händen Bank. Cornelia Sittler, Kundenbetreuerin in Wr. Neustadt Eine Information der HYPO NOE Landesbank für Niederösterreich und Wien AG, Hypogasse 1, 3100 St. Pölten. Stand 09/2026. Werbung. ANZEIGE 11 www.gesundundleben.at 10 / 26

12 Karin Hofinger ALPINE VITALKÜCHE Die kulinarische Vielfalt der alpinen Küche begeistert in neuem Licht. Mit beliebten Gerichten und regionalen Zutaten inspiriert die bekannte Autorin zu einer nachhaltigen Vitalküche in zeitgemäßem Stil: 120 alltagstaugliche Rezepte, 50 spannende Lebensmittelporträts und mehr als 200 authentische Naturlicht-Fotos verführen zum Kochen und Genießen. ISBN: 978-3-702243920 n BUCHTIPP s gibt Kochbücher, die man aufschlägt, um schnell nachzuschauen, wie viel Mehl in einen Teig gehört. Und es gibt solche, bei denen man schon nach wenigen Seiten gedanklich zwischen Almwiese und Bauernmarkt versinkt. „Alpine Vitalküche“, das neue Buch von Karin Hofinger, möchte eindeutig in die zweite Kategorie gehören. Die Tirolerin ist Pharmazeutin, Ernährungs- und Nährstoffexpertin sowie Wanderführerin. Als „Küchen-Apothekerin“ vermittelt sie in Vorträgen, Kochworkshops und ihren Büchern, wie eng Ernährung, Gesundheit und Genuss miteinander verknüpft sind. Gleichzeitig zieht es sie immer wieder hinaus auf Almen und Bergwiesen, zu Wildkräutern, Beeren und jenen Lebensmitteln, die seit Generationen die Küche des Alpenraums prägen. „Als ehemals angestellte Apothekerin habe ich vor 20 Jahren meinen Arbeitsschwerpunkt quasi ‚in die Küche‘ verlagert, E weil mir als Biochemie-begeisterte Pharmazeutin immer klarer geworden ist, dass die Ernährung die molekulare Basis der Gesundheit ist“, betont Hofinger. Dennoch möchte sie Ernährung nicht auf Nährwerttabellen und Verbote reduzieren. Ganz im Gegenteil: „Im Bereich Ernährung fehlt es vielen Menschen an Wissen und Motivation. Ich möchte sie dabei unterstützen, sich beim Essen und Trinken mit Genuss wirklich Gutes zu tun.“ GEMEINSCHAFTSPROJEKT MIT HERZ „Alpine Vitalküche“ ist Hofingers drittes Buch – und ihr bislang wohl persönlichstes. Zwei Jahre lang arbeiteten sie und ihr Mann gemeinsam daran. Sie entwickelte Konzept und Aufbau, schrieb Manuskript, Rezepte und Lebensmittelporträts, kochte sämtliche Gerichte und arrangierte sie für die Kamera. Ihr Mann fotografierte. Alle 233 Fotos im Buch stammen von ihm. Holz, Stein, Tiroler Handweberei, Leinen und Glas bildeten die Bühne für Rohnenknödel, Berglinsen und ein Kaiserschmarren, der plötzlich pikant daherkommt: In ihrem neuen Kochbuch „Alpine Vitalküche“ verbindet Karin Hofinger die kulinarischen Schätze des Alpenraums mit modernem Ernährungswissen. ALPENGLÜHEN aufgetischt FOTOS: BEIGESTELLT, DIEFOTOGRAFEN, ISTOCK_IRYNA HORIELOVA

GENUSS „Im Bereich Ernährung fehlt es vielen Menschen an Wissen und Motivation.“ die Gerichte. Dekoriert wurde vor allem mit jenen Lebensmitteln, die auch im jeweiligen Rezept vorkommen. „Nichts Unechtes oder Künstliches ist auf unseren Bildern, ganz so wie es in gutem Essen und in wertvollen Lebensmitteln sein sollte.“ Fotografiert wurde häufig mittags und im Freien, mit natürlichem Licht. Danach kam der angenehmste Teil des Arbeitstages: Das fotografierte Gericht wurde, wenn nötig, noch einmal kurz aufgewärmt und anschließend gemeinsam genossen. Aus dem Buchprojekt wurde somit eine kulinarische Forschungsreise, die über zwei Jahre andauerte. Die Schätze der alpinen Esskultur sind Karin Hofinger ein besonderes Herzensanliegen. Und dabei räumt sie gleich mit einem verbreiteten Bild auf: jenem von der alpinen Küche als fleischlastiger, üppiger Kost. „Die traditionelle alpine Küche kann als eine weitgehend vegetarische Kost als Vorbild für eine nachhaltige, regionale und gesunde Ernährung dienen. Der Mensch der Zukunft sollte Flexitarier sein – für die persönliche und globale Gesundheit.“ Diese Haltung prägt auch die Rezepte des neuen Buches. Tradition wird nicht aussortiert, sondern weitergedacht. Das kann überraschend schmecken. Ihr Lieblings-Kaiserschmarren etwa kommt nicht mit Staubzucker und Zwetschkenröster auf den Tisch, sondern pikant mit Frühlingszwiebeln und Kräuterdip. Bei anderen Klassikern verzichtet sie auf das Herausbacken in viel Fett, süße Speisen werden zuckerreduziert. Das Prinzip dahinter ist einfach: „Generell verwende ich bestmögliche regionale Zutaten und komponiere daraus eine ausgewogene Vitalkost. Sie schmeckt und macht anhaltend satt.“ Dafür sorgen reichlich Gemüse und Salate, Proteine, wertvolle Fette und moderate Mengen an Kohlenhydraten. Karin Hofinger Autorin Das Produktinformationsblatt finden Sie auf nv.at Ihr Sicherheitsnetz für alle (Un)Fälle. Unfallplus Inklusive Freizeitunfälle, bei denen die gesetzliche Versicherung nicht leistet: Unser Rundumschutz gegen finanzielle Unfallfolgen. Für Sie – oder gleich die ganze Familie. Nähe verbindet. Unsere Niederösterreichische Versicherung FOLGEN VORBEUGEN. nv.at Jetzt noch mehr Schutz. ANZEIGE

14 FOTOS: STEPHAN HOFINGER; ISTOCK_AYGUL BULTE ; BEIGESTELLT GENUSS SUPERFOOD GANZ NAH Regionale und saisonale Lebensmittel bestechen durch ihre Frische, durch hohen Gehalt an Mikronährstoffen und unvergleichliche Geschmacksnoten, weiß Karin Hofinger. Dazu zählen etwa Wildheidelbeeren und frische Biokräuter – aus dem Wald, dem Garten, vom Balkon, vom Bauernmarkt, ab Hof oder aus der regionalen Ecke im Supermarkt. Auf weit gereiste Massenware könne man dagegen häufig verzichten, sagt sie. Regional einzukaufen, bedeute außerdem kurze Transportwege und Wertschöpfung vor Ort. Gerade die kleinstrukturierte Berglandwirtschaft hat für Hofinger eine Bedeutung, die weit über Lebensmittel hinausgeht. „Weidetiere sind nämlich keine Klimakiller, sondern fleißige Umweltschützer, die Gras und Heu in wertvolle proteinreiche Lebensmittel verwandeln.“ Die Beweidung von Steilhängen und Almen fördere Biodiversität, stabilisiere Böden und erhalte jene Kulturlandschaft, die heute selbstverständlich zum Bild der Alpen gehört. Statt nach dem nächsten exotischen Superfood zu suchen, empfiehlt Hofinger deshalb einen Blick in die eigene kulinarische Umgebung. Was das konkret heißt? Roggen-Sauerteigbrot statt Industriegebäck. Topfen, Frisch- oder Graukäse statt Proteinshake. Dinkelreis und Rollgerste statt weit gereistem Reis. Wal- und Haselnüsse statt Cashews, heimisches Lein- oder Hanföl und Butter statt Palm- und Kokosöl. Und Kräutersalz sowie Gemüsewürze statt industrieller Würzmischungen. „Unser Körper sollte es uns wert sein, Wertvolles mit echtem Nährwert anstelle von leeren Industrienahrungskalorien zu konsumieren“, betont die Expertin. TIERISCHE BEGEGNUNGEN Besonders lebendig wird Hofingers Begeisterung, wenn sie über Kräuter spricht. „Meine Liebe zu Kräutern war der Hauptgrund fürs Pharmaziestudium.“ Spannend findet sie insbesondere die „bitter-scharf-herben Geschmacksnoten“, die einen Gegenpol zu den süßen, sauren und salzigen Aromen vieler Grundnahrungsmittel bilden. Die Liste ihrer alpinen Favoriten ist lang. Dazu zählen etwa Bach- und Brunnenkresse, Bärlauch, Dost – der „Alpen-Oregano“ –, Liebstöckel, Schabzigerklee oder Schnittknoblauch. Vieles davon begegnet Hofinger dort, wo auch zahlreiche Ideen für ihre Küche entstehen: in den Bergen. Manchmal führen solche Recherchen allerdings auf unerwartete Umwege. Einer davon endete für Hofingers Mann Stephan bei einer Herde grauer Gebirgsziegen. Während eines Fortbildungsausflugs für das Buch besichtigte das Paar eine große Heumilchsennerei samt Schaubauernhof. Dort hatten es ihm ausgerechnet die Blobe Ziegen angetan – und offenbar beruhte die Sympathie auf Gegenseitigkeit. Weil die Sennerei eineinhalb Autostunden entfernt lag, suchte Karin Hofinger nach einer näheren Möglichkeit und wurde nur zehn Minuten entfernt fündig: auf einem Arche-Hof mit vom Aussterben bedrohten Haustierrassen, dessen Almwirtschaft sie bereits aus ihrer Tätigkeit als Bergwanderführerin kannte. Der Hof schaffte es schließlich auf Seite 15 des Kochbuchs. Ihr Mann bekam zum Geburtstag eine Ziegenpatenschaft geschenkt. „Ein Volltreffer“, sagt Hofinger. Von Dezember bis Mai folgten nahezu wöchentliche Besuche bei der Herde, im Frühjahr kamen die Zicklein zur Welt. Den Sommer verbrachten die Tiere auf 1.800 bis 2.200 Metern Seehöhe auf der Arche-Alm. Nun freut sich das Paar auf deren Rückkehr im Herbst. URLAUB AM ESSTISCH Doch wie lässt sich gesunde Kost in einen Alltag übertragen, in dem zwischen Arbeit, Terminen und Verpflichtungen oft wenig Zeit für Ernährungsphilosophie bleibt? „Schritt eins – gönnen Sie sich Wasser als Hauptgetränk. Zweitens: Genießen Sie ganz bewusst gute, wertvolle Lebensmittel“, empfiehlt Hofinger. Und dann folgt ein Rat, der weniger mit Nährstoffen als mit Aufmerksamkeit zu tun hat: „Kultivieren Sie ‚Urlaub am Esstisch‘. Die Zeit beim Essen solle tatsächlich dem Essen gehören – ohne Medienkonsum, Arbeits- oder Beziehungsprobleme. Wer aufmerksam isst, lernt wieder wahrzunehmen, was schmeckt, was guttut und wann man angenehm satt ist.“ Am Ende lässt sich die „Alpine Vitalküche“ deshalb vielleicht auf einen Gedanken reduzieren: nicht komplizierter essen, sondern bewusster. Wissen, woher Lebensmittel kommen. Wieder öfter selbst kochen. Die Jahreszeiten schmecken. Gute Produkte nicht als Luxus, sondern als Wert begreifen. Karin Hofingers Bilanz dafür ist so knapp wie alpenländisch: „G’sund für mich – g’sund für die Mitwelt und Umwelt.“ MICHAELA NEUBAUER n „Die Ziegen zu beobachten ist Entspannung pur“, sagt Stephan Hofinger.

■ RICOTTA-KRÄUTER-CRESPELLE ■ KÜRBIS-KARTOFFEL-GULASCH ✁ ✁ FÜR DEN PALATSCHINKENTEIG: ■ 2 Eier ■ 500 ml Milch oder Sojadrink (regional, ungesüßt) ■ 1 Prise Salz ■ 200 g Dinkelmehl (Vollkorn) ■ 4 Handvoll Kartoffeln ■ 4 Handvoll Kürbis (oder Karotten) ■ 4 Zwiebeln ■ 2 EL Rapsöl ■ 4 EL süßes Paprikapulver ■ 2 EL weißer Balsamicoessig ■ 4 Handvoll Fleisch (Almochs, Biopute) oder 4 Handvoll Tofuwürfel oder 2 Handvoll kleine orange Linsen ■ ¼ L Gemüsebrühe ■ 1 EL Kümmel/Bergkümmel ■ 2 EL scharf-herbe Kräuter (z. B. „Provence“- oder Bergkräuter: Bergbohnenkraut, Dost/Oregano, Quendel/Thymian) ■ Salz ■ Extras zum Abrunden ■ 4 EL Süßrahm oder vegane Alternative (regional) ■ 1 TL Mehl ■ 1 TL frische Kräuter (w. o.), evtl. 2 EL Kürbiskerne ■ 4 EL Olivenöl ■ 2 mittlere Zwiebeln ■ 1 Stange Lauch ■ 200 g vorgegarte Fisolen (z. B. aus dem Glas) ■ 400 g vorgegarte Kastanien ■ Kräutersalz Zutaten für 4 Portionen Zutaten für für 3–4 Personen bzw. 6–8 Palatschinken ■ KASTANIEN-ZWIEBEL-PFANNE SO SCHMECKT ÖSTERREICH – DREI GESUNDE REZEPTE ZUM NACHKOCHEN ✁ Zutaten für 4 Portionen FÜR DIE FÜLLUNG: ■ 1 große Zwiebel ■ 1 EL Öl ■ 3 Handvoll Basilikumblätter oder (Wild-)Kräuter der Wahl ■ 300 g Ricotta oder Mozzarella ■ Pfeffer ■ Kräutersalz ■ 4 EL gehackte Kräuter (z. B. Oregano, Basilikum) ■ 1 EL kaltgepresstes Olivenöl oder Pesto der Wahl

ZUBEREITUNG: Kartoffeln schälen und in etwa fingerdicke Würfel schneiden. Kürbis schälen (Hokkaido mit Schale verwerten) und würfeln. Zwiebeln in Halbringe schneiden, in einer großen Pfanne in heißem Rapsöl vergolden, Paprikapulver darin aufschäumen lassen, mit Balsamicoessig ablöschen, Fleischstücke (oder Tofuwürfel oder kleine orange Linsen) dazugeben und unter Rühren rundum etwas anrösten. Die Kürbis- und Kartoffelwürfel dazugeben, mit Wasser aufgießen, mit Kümmel, Kräutern und Salz würzen und den Eintopf zugedeckt etwa 15 Minuten „in der Sauce schwimmend“ weichköcheln lassen, bis die größten Würfelchen gar sind. Falls vorgegarte Linsen als Eiweißplus dienen, diese erst jetzt zur Sauce geben und nachwürzen. Zum Verfeinern Süßrahm (oder vegane Alternative) und Mehl versprudeln, ins Gulasch einrühren, unter gelegentlichem Rühren eindicken lassen und evtl. nachwürzen. Das Gericht mit frischen Kräutern und evtl. mit gehackten Kürbiskernen garnieren und eine bitter-scharfe Salatbeilage dazu reichen (z. B. Radicchio mit Kürbiskernöl etc.). ■ ZUBEREITUNG: Für den Teig Eier und Milch versprudeln, salzen und Mehl einrühren. Die Masse kann im Kühlschrank eine Weile durchziehen – kein Muss. Für die Füllung Zwiebel hacken, in etwas Öl anschwitzen und nebenbei Basilikum wiegen. Ricotta (oder feingehackten Mozzarella) mit Zwiebelhack, Pfeffer, Kräutersalz, gehackten Kräutern wie Basilikum etc. sowie bestem Olivenöl vermengen. Falls vorrätig kann auch ein Pesto (z. B. Basilikum, Petersilie, Knoblauchsrauke) zum Würzen der Füllung dienen. Für jede Palatschinke je einen Schöpfer Teig in ei- ■ KASTANIEN-ZWIEBEL-PFANNE MIT GRÜNEN FISOLEN ■ KÜRBIS-KARTOFFEL-GULASCH (FLEXITARISCH WANDELBAR) ■ RICOTTA-KRÄUTER-CRESPELLE DER NEUE SAMMELSPASS: REZEPTKARTEN ZUM AUSSCHNEIDEN UND GENIESSEN! ✁ ✁ ✁ ner beschichteten (und mit etwas Öl befetteten) Pfanne flach ausstreichen, die Teiglinge beidseitig zart „vergolden“ und sofort (noch in der Pfanne) mit je 2 bis 3 EL Ricottamasse füllen, einrollen und dann im Rohr bei etwa 50 °C warmstellen. IDEEN FÜR FÜLL-VARIATIONEN: Frische Garten- oder Wildkräuter: Schnittlauch, Petersilie, Kerbel, Giersch, Breitwegerich, Pimpinelle, Knoblauchsrauke Tiefkühlkräuter: italienische Kräuter, Acht-Kräuter-Mischung Caprese-Füllung: fein gehackte Mozzarella-Basilikum-Tomaten-Mischung (mit frischen oder getrockneten Tomaten) Mozzarella-Spinat-Füllung ■ ZUBEREITUNG: 2 EL Olivenöl erwärmen und die feingehackten Zwiebeln darin anschwitzen, bis sie glasig sind. Lauch fein schneiden, zur Zwiebel geben und beides noch etwa eine Minute weiterschwitzen. Vorgegarte Fisolen abtropfen und mit den vorgegarten Kastanien zur Lauch-ZwiebelPfanne geben, alles vorsichtig durchrühren und durchwärmen, mit Kräutersalz abschmecken. Mit etwas Olivenöl toppen und sofort servieren. ■ FOTOS: ISTOCK_OLGAMILTSOVA, _VERONIKA RYABOVA, _EGAL

Was Referenzwerte bedeuten, warum die Dosierung entscheidend ist – und welchen Ansatz LaVita verfolgt. NICHT TRENDS FOLGEN, SONDERN GENAU HINSCHAUEN Kapseln, Pulver, Tropfen – und fast täglich neue Empfehlungen in sozialen Medien und Podcasts. Wer sich mit Nahrungsergänzung beschäftigt, trifft schnell auf eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte und Versprechen. Dabei lohnt es sich, genauer hinzusehen: Welche Nährstoffe enthält ein Produkt? In welcher Menge? Warum wurden diese Mengen gewählt? Und passt eine Ergänzung überhaupt zur persönlichen Ernährung und Lebenssituation? WANN EINE ERGÄNZUNG SINNVOLL SEIN KANN Wie gut wir mit Nährstoffen versorgt sind, hängt von vielen Faktoren ab: von unserer Ernährung, unserem Alter und unserer Lebensphase, aber auch von individuellen Umständen. Auch wer sich um eine ausgewogene Ernährung bemüht, schafft es im hektischen Alltag nicht immer, alle Nährstoffe in ausreichender Menge aufzunehmen. Stress, Medikamente oder besondere Lebensphasen und körperliche Belastungen können den Bedarf erhöhen. Eine ganzheitliche Optimierung der täglichen Ernährung kann dann den entscheidenden Unterschied machen. DOSIERUNG: WAS DIE PROZENTANGABEN AUF DER VERPACKUNG WIRKLICH BEDEUTEN Viele Verbraucher orientieren sich an den auf der Verpackung angegebenen NRV-Referenzwerten zum Tagesbedarf von Vitaminen und Spurenelementen. Was kaum jemand weiß: Diese Werte wurden unter anderem deswegen festgelegt, um eine Unterversorgung gesunder Menschen zu vermeiden – nicht, um eine optimale Versorgung zu definieren. Wer also nur auf diese Angaben schaut, bekommt oft nur das Mindestmaß. LaVita denkt weiter: Die Dosierung orientiert sich an Mengen, die den Körper langfristig versorgen – wissenschaftlich fundiert und nicht überdosiert. WARUM LAVITA AUF EIN ABGESTIMM- TES GESAMTKONZEPT SETZT Der menschliche Stoffwechsel ist komplex. Zahlreiche Vitamine und Spurenelemente sind an unterschiedlichen Prozessen* beteiligt und erfüllen dabei jeweils spezifische Funktionen. LaVita setzt deshalb bewusst nicht auf hochdosierte Einzelvitamine. Stattdessen werden verschiedene Mikronährstoffe in einem Produkt kombiniert und in sinnvollen Mengen dosiert. Die Basis von LaVita bilden mehr als 70 pflanzliche Lebensmittel: Obst, Gemüse, Kräuter und Pflanzenöle. Hinzu kommen wertvolle Vitamine und Spurenelemente. Denn allein mit pflanzlichen Zutaten wäre eine Rundumversorgung nur schwer umsetzbar, wenn man nicht auf so wichtige Nährstoffe wie Selen, Eisen, Zink, Vitamin B12 oder D komplett verzichten und andere nur minimal dosiert bereitstellen will. Die gezielte Ergänzung sorgt deshalb dafür, dass jede Portion LaVita eine verlässlich definierte Menge an Mikronährstoffen enthält. Und das in Form eines Getränks, das sich einfach in den Alltag integrieren lässt und von Natur aus sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme und reichlich Ballaststoffe gleich mitliefert. Anzeige Nahrungsergänzung auf dem Prüfstand Worauf es bei Mikronährstoffen wirklich ankommt. * Biotin, Chrom und Zink tragen zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei. Zink trägt zu einem normalen Fettsäurestoffwechsel und einem normalen Kohlenhydrat-Stoffwechsel bei. LAVITA AUF EINEN BLICK • Pflanzliche Vielfalt: mehr als 70 pflanzliche Lebensmittel als Basis der Rezeptur • Ergänzt mit wertvollen Vitaminen und Spurenelementen – in wissenschaftlich fundierter Dosierung • Ein Produkt statt vieler Einzelpräparate • Einfache Anwendung: 1 EL mit 50–100 ml Wasser verrühren • 50 Portionen in einer Flasche, Portions- preis 1 € Seit fast drei Jahrzehnten steht LaVita für höchste Qualität – über 50.000 begeisterte Bewertungen sprechen für sich. Über- zeugen Sie sich selbst – entdecken Sie LaVita. Infos & Beratung: +49 (0)871 / 972 170 Bestellung: www.lavita.com

FOTO: ISTOCK: _ BESTBRK Unsere Zellen arbeiten rund um die Uhr, doch mit zunehmendem Alter hinterlassen Stress, Umweltbelastungen und andere Einflüsse ihre Spuren. Was sie altern lässt, was ihnen schadet und was sie fit hält. Gesunde ZELLEN – langes LEBEN LONGEVITY

Unser Körper ist ein faszinierendes Zusammenspiel von Billionen von Zellen. Jede einzelne erfüllt lebenswichtige Aufgaben: Sie gewinnt Energie, verarbeitet Nährstoffe, kommuniziert mit anderen Zellen, repariert Schäden und trägt dazu bei, dass unsere Organe funktionieren. „Unsere Zellen sind die Bausteine unseres Körpers – und ihr Zustand bestimmt direkt, wie wir uns fühlen, wie gut wir funktionieren und wie gesund wir sind“, erklärt der Molekularbiologe und Alterungsforscher Dr. Markus Schosserer von der Medizinischen Universität Wien. „Jede Zelle im Körper hat eine spezifische Aufgabe: ob im Gehirn, in der Muskulatur, in der Haut oder im Immunsystem. Gesunde Zellen produzieren Energie, reparieren Schäden und kommunizieren effizient miteinander.“ Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mitochondrien. Die winzigen Zellorganellen werden oft als „Kraftwerke der Zelle“ bezeichnet, weil sie aus den Bestandteilen unserer Nahrung die notwendige Energie gewinnen, die Zellen für ihre Arbeit benötigen. ENERGIE FÜR DIE ZELLE Mitochondrien wandeln Nährstoffe mithilfe von Sauerstoff in Adenosintriphosphat (ATP) um. ATP ist der wichtigste Energieträger der Zellen: Es speichert Energie kurzfristig und stellt sie genau dort bereit, wo die Zelle Energie braucht. Auf eine zuverlässige Versorgung sind besonders energiehungrige Zellen etwa in Gehirn, Herz und Muskulatur angewiesen. Funktionieren die Mitochondrien nicht richtig, kann die Energieproduktion gestört sein. Wie eng die Funktion der Mitochondrien mit der Gesundheit unserer Zellen verbunden ist, zeigt auch ihr Einfluss auf den Alterungsprozess. „Sie produzieren über 90 Prozent der Energie, die wir für alle körperlichen Prozesse brauchen“, so Schosserer. Mit zunehmendem Alter und durch Umweltbelastungen wie UV-Strahlung, Schadstoffe oder anhaltenden Stress können die kleinen Kraftwerke Schaden nehmen. „Ihre Energieproduktion sinkt, und sie erzeugen mehr freie Radikale, die wiederum weitere Schäden in der Zelle und ihrer Umgebung verursachen.“ Silke Bierkämper GESUNDE ZELLEN – MEHR ENERGIE DEIN WEG AUS DER MITOCHONDRIOPATHIE Wer ständig erschöpft ist, sich nur sehr langsam erholt und gar nicht mehr aus diesem Tief herauskommt, leidet möglicherweise an einer Mitochondriopathie. Wenn die Kraftwerke unserer Zellen beeinträchtigt sind, sind die Folgen vielfältig – von Energielosigkeit bis zu chronischer Krankheit. Heilpraktikerin Silke Bierkämper zeigt, welche Aufgaben die Mitochondrien haben und was genau passiert, wenn sie nur noch auf Sparflamme laufen. Ziel dieses Ratgebers ist es, dass Betroffene zelleigene Schutz- und Reparatursysteme aktivieren und vor allem individuell handeln können. Ein Therapiefahrplan zeigt, wie man mit Mikronährstoffen, dem Darm-Mikrobiom, Bewegung, Schlaf, Biorhythmus und Pflanzenstoffen positiv auf die Mitochondrien einwirken kann. ISBN: 978-3-842631908 n BUCHTIPP LONGEVITY GESUND & LEBEN stellt in jeder Ausgabe 2026 einen Longevity-Schwerpunkt in den Mittelpunkt und beleuchtet, wie ein langes Leben in Gesundheit durch Vorsorge, medizinische Innovationen, psychisches Wohlbefinden und einen bewussten Lebensstil gefördert werden kann. 19

„Ein Funke, der einen Flächenbrand entfacht“ Wie entstehen seneszente Zellen und welche Funktion haben sie? Seneszente Zellen entstehen vor allem durch Schäden an unserem Erbgut, der DNA, etwa durch UV-Strahlung, freie Radikale oder durch kürzer werdende Telomere. Diese schützenden „Endkappen“ der Chromosomen werden bei jeder Zellteilung kürzer und können dadurch irgendwann ihre Schutzfunktion verlieren. Diese Veränderungen häufen sich vor allem mit zunehmendem Alter. Auch Chemo- und Strahlentherapie können Seneszenz auslösen. Die Zellen reagieren darauf mit einer Art „Notfallprogramm“: Sie stellen ihr Wachstum ein und verhindern so, dass sich Schäden weiterverbreiten, Zellen mutieren und möglicherweise Krebs entsteht. Gleichzeitig setzen sie Entzündungssignale frei, die das Immunsystem aktivieren, damit sie beseitigt werden können. Mit zunehmendem Alter werden sie jedoch nicht mehr so effizient entfernt. Sie können sich ansammeln und dadurch zu einer Quelle chronischer Entzündungen und Gewebeschäden werden. Seneszente Zellen haben aber auch wichtige Funktionen, etwa bei Entwicklungsprozessen und der Wundheilung. Stellt deren zunehmende Ansammlung im höheren Alter ein Gesundheitsrisiko dar? Ja, definitiv. Seneszente Zellen setzen zahlreiche Signalmoleküle und Enzyme frei, die das umliegende Gewebe verändern, Entzündungen fördern und in benachbarten Zellen ebenfalls Seneszenz auslösen können – vergleichbar mit einem Funken, der einen Flächenbrand entfacht. Dadurch können sie unter anderem zur Entstehung von Arteriosklerose, Osteoporose, Diabetes und Alzheimer beitragen und ein Umfeld schaffen, in dem sich Krebszellen leichter entwickeln können. Studien an Mäusen zeigen, dass die Entfernung seneszenter Zellen die Gesundheit im Alter verbessern und die Lebensspanne der Tiere verlängern kann. Deshalb gilt die zelluläre Seneszenz als vielversprechender Ansatz für künftige präventive und therapeutische Strategien. Wie kann man diese „Zombie-Zellen“ loswerden? Mit sogenannten Senotherapien wird derzeit intensiv daran geforscht, seneszente Zellen gezielt zu beeinflussen. Dabei unterscheidet man zwischen Senomorphika und Senolytika: Senomorphika lassen die Zellen im Gewebe, machen sie aber gewissermaßen unschädlich, etwa indem sie die Ausschüttung von Entzündungsfaktoren blockieren. Senolytika dagegen sollen seneszente Zellen gezielt beseitigen, ohne gesunde Körperzellen zu schädigen. Erste klinische Studien, unter anderem bei Nierenerkrankungen, Lungenfibrose und Diabetes, zeigen vielversprechende Ergebnisse. Allerdings sind Senolytika noch keine Standardtherapie und insbesondere nicht zur Vorbeugung zugelassen. Es ist Vorsicht geboten, denn die Unterscheidung zwischen gesunden und seneszenten Zellen funktioniert in verschiedenen Organen noch nicht zuverlässig genug. Eine dauerhafte präventive Einnahme erscheint daher wenig sinnvoll, da seneszente Zellen etwa bei der Wundheilung wichtige Funktionen haben. Vielversprechender erscheint der sogenannte „Hit-andRun“-Ansatz: Die angesammelten seneszenten Zellen werden über einen kurzen Zeitraum gezielt beseitigt. Nach einer Pause kann die Behandlung wiederholt werden, sobald sich erneut seneszente Zellen im Gewebe gebildet haben. Dr. Markus Schosserer ist Molekularbiologe und Forschungsgruppenleiter am Institut für Medizinische Genetik der MedUni Wien. Er forscht zu Altersprozessen und zellulärer Seneszenz. Schosserer. Auch die Abwehr kann nachlassen: Sind Immunzellen geschädigt oder geraten unter Stress, steigt die Anfälligkeit für Infektionen. Ein weiteres typisches Zeichen ist der Verlust von Muskelmasse und Kraft, wenn die Muskelzellen ihre Funktion zunehmend einbüßen. Auch das Nervensystem kann betroffen sein: „Geschädigte oder gestresste Zellen können kognitive Beeinträchtigungen wie Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme oder geistige Abgeschlagenheit hervorrufen“, so Schosserer. ZELLEN IM RUHESTAND Langfristig können Störungen der Zellfunktion zur Entstehung verschiedener altersbedingter Erkrankungen beitragen. Doch was passiert eigentlich mit Zellen, wenn sie geschädigt sind und sich nicht WENN ZELLEN NACHLASSEN Welche Bedeutung mitochondriale Funktionsstörungen für die Gesundheit haben, wurde erst in jüngerer Zeit erkannt. Heute weiß man, dass eine beeinträchtigte Funktion dieser kleinen Zellkraftwerke bei zahlreichen chronischen Erkrankungen eine Rolle spielen kann – etwa bei Parkinson und Alzheimer, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, chronischen Entzündungserkrankungen sowie beim Chronischen Fatiguesyndrom (ME/CFS) und Post-Covid. Wenn Zellen geschädigt werden oder mit zunehmendem Alter an Funktion verlieren, kann sich das auch im Alltag bemerkbar machen. Ein typisches Beispiel ist die nachlassende Regenerationsfähigkeit: „Wunden heilen bei älteren Menschen langsamer, weil sich die Hautzellen weniger schnell erneuern“, sagt 20 LONGEVITY

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