Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung – beim Reizdarmsyndrom können die Beschwerden ganz unterschiedlich aussehen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie immer wiederkehren und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Organische Ursachen lassen sich dabei nicht feststellen. Bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird, müssen daher andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Da es keine einheitliche Therapie gibt, wird vor allem jenes Symptom behandelt, das gerade im Vordergrund steht. Hier kann die Apotheke eine wichtige Anlaufstelle sein. GEZIELT GEGEN DIE BESCHWERDEN Bei krampfartigen Bauchschmerzen können krampflösende Arzneimittel eingesetzt werden. Auch pflanzliche Präparate haben ihren Platz: Pfefferminzöl kann entspannend auf die Darmmuskulatur wirken, Kümmel wird traditionell bei Blähungen und Völlegefühl eingesetzt. Daneben kommen Kombinationen verschiedener Heilpflanzen infrage. Steht Durchfall im Vordergrund, können für die kurzfristige Behandlung entsprechende rezeptfreie Arzneimittel eingesetzt werden. Bei Verstopfung wiederum stehen unterschiedliche Abführmittel zur Verfügung. Sie sollten jedoch nicht wahllos oder dauerhaft eingenommen werden. Eine sanftere Möglichkeit können lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen sein. Wichtig dabei: immer ausreichend trinken. Auch Probiotika werden bei Reizdarm häufig nachgefragt. Sie enthalten bestimmte lebende Mikroorganismen und sollen die Darmflora unterstützen. Allerdings ist Probiotikum nicht gleich Probiotikum: Je nach enthaltenem Bakterienstamm können sich Einsatzgebiet und Wirkung unterscheiden. Eine Beratung in der Apotheke hilft bei der Auswahl. WAS ZUSÄTZLICH GUTTUT Neben Arzneimitteln unterstützen Wärme, regelmäßige Bewegung und ausreichend Flüssigkeit. Fenchel-, Kümmel-, Anis- oder Kamillentee wird traditionell bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Ein Symptomtagebuch kann außerdem zeigen, ob bestimmte Lebensmittel oder Stress die Beschwerden verstärken. Wer unter wiederkehrenden Darmproblemen leidet, sollte die Diagnose Reizdarm allerdings nicht selbst stellen. Andere Erkrankungen müssen zunächst ausgeschlossen werden. Bei bereits diagnostiziertem Reizdarmsyndrom kann die Apotheke dabei helfen, die Selbstmedikation gezielt an die aktuellen Beschwerden anzupassen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu berücksichtigen. Bei Blut im Stuhl, Fieber, starkem Gewichtsverlust, nächtlichem Durchfall oder neu auftretenden starken Beschwerden ist allerdings eine rasche ärztliche Abklärung notwendig! Mag. pharm. Heinz Haberfeld, Präsident Apothekerkammer Niederösterreich ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG • FOTOS: FOTOSTUDIO WILKE, ISTOCK/MILORAD KRAVIC GESUND MIT IHRER NÖ APOTHEKE WENN DER DARM REBELLIERT 51 www.gesundundleben.at 10 / 26
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