DIE KRAFT der Berührung Warum wir Nähe brauchen, was Berührungsmangel mit uns macht und wie sanfte Berührungen bei depressiven Verstimmungen helfen können. Lange bevor der Mensch Sprache entwickelte, verständigte er sich über den Körper: über Nähe, Blickkontakt und Berührungen. Körperkontakt kann ganz ohne Worte emotionale Botschaften vermitteln wie „Ich bin bei dir“, „Komm mit“ oder „Ich tröste dich“. Schon Säuglinge kommunizieren über Berührung, lange bevor sie Sprache verstehen oder selbst sprechen können. Körperkontakt schenkt ihnen Sicherheit, Zuwendung, Nähe und Geborgenheit. „Berührung ist unser erster Sinn“, erklärt die Ärztin und Berührungsexpertin Dr. Michaela Arnold. „Noch bevor wir sehen oder hören können, nehmen wir Kontakt über die Haut wahr. Über Berührung entsteht Bindung, und das Kind lernt gleichzeitig, den eigenen Körper und seine Grenzen wahrzunehmen.“ Das Bedürfnis nach Berührung und körperlicher Nähe begleitet uns ein Leben lang. Doch warum sehnen wir uns danach und warum fällt es uns so schwer, ohne Körperkontakt auszukommen? „Berührung bringt uns ins Gleichgewicht“, sagt Arnold. „Wenn wir liebevoll und achtsam berührt werden, reagiert unser Körper auf verschiedenen Ebenen. Stresshormone wie Cortisol werden reduziert, während beruhigende Boten-
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