Gesund & Leben - Oktober 2026

www.gesundundleben.at 10 / 26 FOTOS: ISTOCK_SEB_RA, ORDENSKLINIKUM LINZ / HARRER BRUSTKREBS Rund 7.000 Frauen erkranken in Österreich jedes Jahr an Brustkrebs. Hinter dieser Zahl stehen 7.000 individuelle Krankheitsgeschichten. Gleichzeitig haben sich die Möglichkeiten, Brustkrebs zu erkennen und zu behandeln, in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Tumoren können heute genauer charakterisiert, Therapien gezielter eingesetzt und Operationen oft schonender durchgeführt werden. Was Frauen über Früherkennung, moderne Behandlung und die Zeit danach wissen sollten, erklärt OÄ Dr. Ruth Helfgott, Leiterin des BrustGesundheitszentrums am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Brustkrebs wird heute oft als „gut behandelbar“ bezeichnet. Wie beurteilen Sie das? Die Therapie ist in den letzten Jahren immer zielgerichteter geworden. Fortschritte gibt es auch bei den Operationen: Wir können heute oft viel schonender operieren, indem wir zum Beispiel nur mehr wenige oder sogar überhaupt keine Achsellymphknoten entfernen. Für die Patientinnen bedeutet das weniger Belastung und ein geringeres Risiko für mögliche Folgen der Operation. Gleichzeitig helfen uns moderne Diagnosetools und eine Vielzahl neuer Medikamente, die Behandlung individuell an Tumortyp und Tumorstadium anzupassen, was wiederum zu einer Verbesserung der Prognose geführt hat. Welche Veränderungen der Brust sollte man ernst nehmen? Ein tastbarer Knoten, eine Veränderung der Brustform, Auffälligkeiten an Haut oder Brustwarze oder vergrößerte Lymphknoten in der Achsel sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Nicht jede Veränderung bedeutet Brustkrebs, sie sollte aber nicht ignoriert werden. Umgekehrt kann ein Tumor vorhanden sein, ohne dass eine Frau selbst etwas bemerkt. Kleine Tumore oder Brustkrebs-Vorstufen sieht man nur mit Hilfe von bildgebenden Untersuchungen wie Mammographie oder Brustultraschall. Deshalb ist die Früherkennung eine wichtige Ergänzung zur Aufmerksamkeit für Veränderungen am eigenen Körper. Warum erreicht das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm nicht alle Frauen? Welche Argumente sprechen für eine Teilnahme? Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Auch die Wahrscheinlichkeit, mit weniger belastenden Therapien auszukommen, ist größer. Trotzdem nehmen nicht alle Frauen das Angebot wahr. Manche haben Bedenken wegen der Strahlenbelastung einer Mammographie. Diese ist bei modernen Geräten allerdings sehr, sehr gering. Auch die familiäre Vorgeschichte wird häufig überschätzt: Frauen, die keine Brustkrebserkrankung in der Familie haben, fühlen sich manchmal fälschlich sicher. Tatsächlich ist nur ein kleiner Teil der Erkrankungen erblich bedingt. Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs – was bedeutet das für die Behandlung? Hinter dem Begriff Brustkrebs stehen ganz unterschiedliche Tumortypen. Entscheidend für die Therapie ist vor allem, welche biologischen Eigenschaften die Krebszellen besitzen. Häufig sind Brusttumoren Hormonrezeptor-positiv. Bei ihnen kann eine antihormonelle Therapie eingesetzt werden. Bei HER2-positiven Tumoren stehen spezielle Antikörpertherapien zur Verfügung. Eine weitere Gruppe sind die sogenannten triple-negativen Karzinome, bei denen diese Eigenschaften alle fehlen. Hier haben Immuntherapien in den vergangenen Jahren neue Möglichkeiten geschaffen und die Behandlungserfolge deutlich verbessert. Die Tumorbiologie spielt also für den Therapieplan eine ganz wesentliche Rolle und kann auch Einfluss auf die Prognose haben. Wie wird entschieden, welche Therapie eine Patientin bekommt? Eine Standardbehandlung für alle gibt es nicht. Tumortyp und Erkrankungsstadium sind wichtige Faktoren. Die Therapie wird individuell für jede Patientin in einem interdisziplinären Tumorboard festgelegt. Die Behandlung besteht meist aus mehreren Bausteinen. Zur Lokaltherapie gehören die Operation und – insbesondere nach einer brusterhaltenden Operation – meist auch die Bestrahlung. Dazu kommt bei den meisten Patientinnen eine medikamentöse Therapie, die im gesamten Körper wirkt und das Risiko eines Rückfalls beziehungsweise von Fernmetastasen senken soll. Welche Medikamente infrage kommen, hängt wiederum von den Eigenschaften des Tumors ab. Neben Chemotherapie und antihormoneller Behandlung stehen heute auch Antikörper-, Immuntherapien und verschiedene andere zielgerichtete Therapien zur Verfügung. Was kann gegen Nebenwirkungen helfen? Besonders die medikamentösen Therapien können belastend sein. Manche werden nur über einen begrenzten Zeitraum eingesetzt, andere über viele Monate oder Jahre. Bei der Chemotherapie hat sich die Begleitbehandlung deutlich verbessert. Übelkeit und Erbrechen lassen sich heute OÄ Dr. Ruth Helfgott, Leiterin des Brust-Gesundheitszentrums am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern „Viele beeinflussbare Lebensstilfaktoren spielen auch für die Entstehung von Brustkrebs eine Rolle.“ 37

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