Gesund & Leben - Oktober 2026

GELINGENDER ABSCHIEDSPROZESS In den vergangenen Jahren entstanden Palliativstationen in allen Regionen Niederösterreichs: Neben dem Landesklinikum Scheibbs und dem Landesklinikum Waidhofen/Thaya befinden sich mittlerweile auch Palliativstationen in den Landeskliniken Amstetten, Hollabrunn, MistelbachGänserndorf, Baden, Lilienfeld sowie in den Universitätskliniken Hochegg und Krems. Im Universitätsklinikum Krems leitet Priv.-Doz. Oberärztin Dr. Gudrun Kreye die Palliativstation. Sie beobachtet einen Wandel der Palliativmedizin in den vergangenen Jahren: „Palliativmedizin wurde ursprünglich stark mit Sterben, Hospiz und den letzten Lebenstagen verbunden. Heute verstehen wir Palliative Care wesentlich breiter. Es geht nicht darum, erst dann dazuzukommen, wenn die Medizin nichts mehr tun kann. Im Gegenteil: Palliativmedizin ist hochaktive Medizin. Sie behandelt Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Angst oder Delir, beschäftigt sich aber gleichzeitig mit psychischen, sozialen und spirituellen Belastungen und unterstützt die Angehörigen.“ Das unterschreibt auch Kum-Taucher: „Der rehabilitative Charakter in der Palliative Care ist neu. Wir sind heute Teil des Ganzen, eine ergänzende therapeutische Möglichkeit und werden frühzeitig geholt.“ Im Universitätsklinikum Krems wird mithilfe von Screening-Tools überprüft, ob Patientinnen und Patienten einen palliativen Betreuungsbedarf haben. Faktoren wie häufige Notaufnahmebesuche oder die Einschätzung, dass ein Patient innerhalb eines Jahres versterben könnte, können Hinweis darauf geben, dass eine frühzeitige palliative Betreuung sinnvoll ist, fügt Kreye hinzu. Neben medizinischen und therapeutischen Maßnahmen spielt auch die Pflege eine große Rolle. DGKP Petra Schweighofer leitet seit 2006 die Palliativstation in Scheibbs. „Bei uns steht die Ganzheitlichkeit im Fokus. Die eigene Haltung den Menschen gegenüber spielt eine große Rolle. Fachkenntnisse in Aromapflege, basaler Stimulation oder Kinästhetik kommen zum Einsatz. Wir haben einen groben Tagesablauf und schauen individuell, was der Patient bzw. die Patientin gerade braucht.“ Das Wohlbefinden der palliativen Patientinnen und Patienten steht im Mittelpunkt. Hat ein Patient bzw. eine Patientin Geburtstag, wird ein Ständchen gesungen. „Wir erfahren sehr viel von den Menschen.“ Darüber ist auch Birgit Kum-Taucher immer wieder erfreut: „Es erfüllt mich mit Ehrfurcht, wie viel Vertrauen uns die Menschen entgegenbringen.“ Neben der frühen Einbindung der Palliative Care hat sich auch die Arbeit selbst geändert. Früher, so erzählt die Ärztin, habe man die Menschen öfter sediert. Heute spricht man mit den Patientinnen und Patienten über ihre individuellen Wünsche. Damit ist die Ärztin nicht nur Medizinerin, sondern auch Seelsorgerin, Moderatorin – und Krisenmanagerin. „Vieles dreht sich um die Frage, was es braucht, um so leben zu können. Es geht um Perspektiven und auch darum, einen gelingenden Abschiedsprozess zu gestalten.“ HOCHWERTIGE MEDIZIN Mittlerweile gibt es in Niederösterreich insgesamt 66 Palliativbetten. Palliativstationen und mobile Teams sind nicht mehr wegzudenken. Für Kreye ist Palliative Care heute ein unverzichtbarer Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Medizin: „Gerade weil Menschen durch moderne The- „Palliativmedizin wurde ursprünglich stark mit Sterben, Hospiz und den letzten Lebenstagen verbunden. Heute verstehen wir Palliative Care wesentlich breiter.“ FOTOS: DANIELA FÜHRER Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist auf einer Palliativstation besonders wichtig. Das Ambiente unterscheidet sich grundlegend von normalen Krankenhausstationen, da es gezielt darauf ausgerichtet ist, eine geborgene Atmosphäre zu schaffen. Priv.-Doz. OÄ Dr. Gudrun Kreye, Universitätsklinikum Krems 46 VERSORGUNG

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