28 Moderne Diagnostik erkennt Augen- erkrankungen heute früher, viele Eingriffe sind schonender geworden und können ambulant durchgeführt werden. Umso mehr lohnt es sich, die eigene Augengesundheit im Blick zu behalten. I n der Augenheilkunde hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel verändert. Untersuchungsgeräte sind präziser geworden, Erkrankungen lassen sich früher erkennen und viele Behandlungen sind heute deutlich weniger belastend. „Vor allem im Bereich der Technik hat sich sehr viel getan“, sagt Prim. Dr. Stefan Heiligenbrunner, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde am Landesklinikum Horn-Allentsteig. Moderne Geräte ermöglichen genauere Aufnahmen und Scans, werden zugleich kleiner und mobiler. Auch die Therapien sind sanfter geworden: „Wo man früher ein paar Tage stationär bleiben musste, kann man heute nach vielen Eingriffen noch am selben Tag nach Hause gehen.“ STILLE GEFAHR Wie wichtig frühe Diagnostik ist, zeigt sich besonders beim Glaukom, dem Grünen Star. Die Erkrankung kann den Sehnerv dauerhaft schädigen, bleibt aber oft lange unbemerkt. „Das Gefährliche ist, dass ein Glaukom keine Schmerzen verursacht und die ersten bemerkbaren Sehprobleme oft erst in einem späten Stadium auftreten“, erklärt Heiligenbrunner. Bereits entstandene Schäden lassen sich nicht rückgängig machen. Deshalb empfiehlt er regelmäßige augenärztliche Kontrollen – am besten einmal jährlich bei einer Fachärztin oder einem Facharzt. Am Landesklinikum Horn-Allentsteig setzt man bei der Betreuung von Glaukompatientinnen und -patienten auch auf Digitalisierung. Untersuchungsdaten werden aus niedergelassenen Praxen digital an die spezialisierte Glaukom-Ambulanz übermittelt und dort beurteilt. Reicht eine Anpassung der Tropftherapie, kann die Betreuung wohnortnah weitergehen. Ist eine Lasertherapie oder Operation nötig, wird ein Termin im Klinikum vereinbart. KLEINE SCHNITTE, GROSSE WIRKUNG Auch die Operation des Grauen Stars ist heute wesentlich schonender. Dabei wird die getrübte körpereigene Linse über einen wenige Millimeter großen Schnitt entfernt und durch eine klare Kunststofflinse ersetzt. „Das Auge wird mit speziellen Tropfen betäubt“, erklärt Heiligenbrunner. Die Operation dauert meist rund 20 Minuten pro Auge, der Aufenthalt im Klinikum häufig weniger als vier Stunden. In vielen Fällen können mittlerweile sogar beide Augen in einer Sitzung operiert werden. Kleinere Schnitte und präzisere Berechnungsmethoden für die Kunstlinsen haben das möglich gemacht. Die Erholung verläuft meist rasch: Manche sehen bereits am nächsten Tag wieder sehr gut, andere brauchen einige Tage. „Im Alltag ist man meist schnell wieder sicher unterwegs“, betont der Experte. MEHR NETZHAUT-NOTFÄLLE Sorge bereitet ihm dagegen die steigende Zahl an Notoperationen aufgrund von Netzhautablösungen. Einen Grund sieht er in der alternden Bevölkerung, einen weiteren in der zunehmenden Kurzsichtigkeit. Wird ein Auge kurzsichtig, wächst es stärker in die Länge. Dadurch werden die Strukturen gedehnt und dünner, das Risiko für Netzhautrisse steigt. Besonders im Kindes- und Jugendalter spielt intensive Naharbeit eine Rolle. Langes Arbeiten am Smartphone, Tablet oder Computer kann die Entstehung von Kurzsichtigkeit begünstigen. „Bei Kindern sind Kontrollen besonders wichtig, weil sie selbst oft nicht gut einschätzen oder ausdrücken können, dass sie schlechter sehen.“ AUGEN AUF! „Nach vielen Eingriffen kann man noch am selben Tag nach Hause gehen.“ Prim. Dr. Stefan Heiligenbrunner, Leiter der Abteilung Augenheilkunde am Landesklinikum Horn-Allentsteig FOTOS: ISTOCK_CARAMEL, UNSPLASH_SAHAND HOSEINI, BEIGESTELLT
RkJQdWJsaXNoZXIy MTk5Njc=