34 SCHLAF „Durchschlafen“ seien mitunter schlicht zu hoch. Gleichzeitig würden Müdigkeitszeichen nicht immer rechtzeitig erkannt. Wird der passende Zeitpunkt zum Zubettgehen verpasst, kann das Einschlafen noch schwieriger werden. SCHLAFPROBLEME WACHSEN MIT Welche Schlafprobleme auftreten, verändert sich mit dem Alter. Bei Babys und Kleinkindern stehen vor allem Ein- und Durchschlafprobleme sowie Regulationsschwierigkeiten im Vordergrund. Im Kindergarten- und Vorschulalter können obstruktive Schlafstörungen dazukommen. Betroffene Kinder schnarchen möglicherweise, schlafen mit offenem Mund oder haben kurze Atempausen. Vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln können dahinterstecken und sollten medizinisch abgeklärt werden. Auch Bewegungsstörungen wie das Restless-Legs-Syndrom kommen bei Kindern vor. Sie verspüren dabei einen starken Bewegungsdrang in den Beinen und finden schlecht zur Ruhe. Unter anderem kann ein gestörter Eisenstoffwechsel eine Rolle spielen. Typisch für bestimmte Phasen der Kindheit sind außerdem Nachtschreck und Schlafwandeln. Ein Nachtschreck kann für Eltern dramatisch wirken: Das Kind schreit plötzlich, wirkt panisch und ist dennoch nicht richtig wach. Meist tritt das Phänomen in der ersten Nachthälfte aus dem Tiefschlaf heraus auf. „Bei diesen Kindern sind die Übergänge zwischen Schlaf- und Wachstadien noch nicht vollständig ausgereift. Sie sind in manchen Schlafphasen einfach aktiver“, erklärt Rona. Auch die Verarbeitung der Eindrücke des Tages spiele eine Rolle. Viele dieser Phänomene verschwinden mit zunehmendem Alter wieder und lassen sich durch Schlafberatung und gute Schlafgewohnheiten positiv beeinflussen. SMARTPHONE UND ZUKUNFTSÄNGSTE Mit der Pubertät verschiebt sich das Bild erneut. Einschlaf- und Durchschlafprobleme sowie Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus rücken stärker in den Vordergrund. Jugendliche gehen später schlafen und kommen morgens oft kaum aus dem Bett – Konzentration und Schulleistung können darunter leiden. Hinzu kommen weitere Belastungen. „Jugendliche haben viele Zukunftsängste und wir sehen deutlich mehr psychische Probleme. Das wirkt sich natürlich auch auf ihren Schlaf aus“, sagt Rona. Gleichzeitig begleitet das Smartphone viele bis unmittelbar vor dem Einschlafen. „Auch die Handynutzung am Abend hängt mit Angststörungen und Einschlafproblemen zusammen.“ Wer im Bett noch Nachrichten beantwortet, Videos schaut oder durch soziale Netzwerke scrollt, bleibt mental aktiviert. Zugleich besteht eine enge Wechselwirkung zwischen Schlaf und psychischer Gesundheit. „Depressionen sind im Jugend- und jungen Erwachsenenalter ein zunehmend wichtiges Thema – und depressive Kinder und Jugendliche haben häufig auch Einschlafstörungen“, so die Ärztin. MÜDE ODER ADHS? Nicht nur ein ungewöhnlich schwerfälliges Aufstehen, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit oder emotionale Veränderungen können auf schlechten Schlaf hindeuten. Auch Veränderungen des Appetits sollten Eltern aufmerksam machen. Denn während der Nachtruhe laufen zahlreiche wichtige körperliche Prozesse ab. „In der Nacht passiert sehr viel. Das Immunsystem regeneriert sich, und auch wichtige Stoffwechselprozesse werden reguliert“, betont Rona. Kinder, die über längere Zeit schlecht schlafen, könnten deshalb beispielsweise schlechter zunehmen oder häufiger unter Infekten leiden. Besonders relevant wird das Thema, wenn sich Symptome verschiedener Störungen ähneln. Unruhe, Hyperaktivität, Reizsuche und Konzentrationsprobleme können auch eine Folge von Schlafmangel sein und damit auf den ersten Blick an ADHS erinnern. Rona empfiehlt deshalb, bei solchen Auffälligkeiten immer auch die Schlafqualität im Blick zu behalten. Erster Ansprechpartner ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Eine genaue Schlafanamnese und gegebenenfalls weitere Untersuchungen helfen dabei, mögliche Ursachen einzugrenzen. „Besteht der Verdacht auf eine Schlafstörung, sollte diese zunächst behandelt werden. Bleiben Aufmerksamkeitsprobleme oder Hyperaktivität danach bestehen, muss natürlich auch in Richtung ADHS weiter abgeklärt werden“, erklärt Rona. Wichtig dabei: Schlafstörungen und ADHS schließen einander nicht aus, sondern können auch gleichzeitig auftreten. RUNTERKOMMEN BRAUCHT ZEIT Was können Familien selbst tun, um die Schlafqualität ihres Kindes zu verbessern? „Ein Schlaftagebuch ist oft ein guter erster Schritt: Wann geht das Kind ins Bett? Wann schläft es tatsächlich ein? Wie oft wird es wach? Wann steht es auf?“, empfiehlt Rona. Noch wichtiger ist die Zeit vor dem Einschlafen. „Unterschätzt wird, wie viel Zeit Kinder brauchen, um am Abend überhaupt herunterzukommen.“ Besonders jüngere Kinder möchten Erlebnisse des Tages noch einmal erzählen. Vorlesen, miteinander reden, gedämpftes Licht und wiederkehrende Abläufe vermitteln Ruhe und Sicherheit. „Am Abend gemeinsam lesen, noch FOTOS: ISTOCK: _OJOS DE HOJALATA, _ALANO DESIGN, _ ADDICTIVE STOCK
RkJQdWJsaXNoZXIy MTk5Njc=