„Bedürfnis nach Geborgenheit am Lebensende“ Was benötigen Menschen in der letzten Lebensphase und was kann Palliativpflege dabei leisten? Es ist wichtig, dass ein geborgenes Umfeld geschaffen wird und die Menschen Ruhe finden. Im palliativen Setting versuchen wir auftretende Beschwerden zu lindern und damit die Lebensqualität zu verbessern. Man kann sich die Palliativpflege wie einen Mantel vorstellen, der den Menschen schützt und ihm Halt gibt. In dieser sensiblen Lebensphase ist es wichtig, sich auf individuelle Bedürfnisse einzulassen und den Menschen in seiner ganzen Lebenssituation wahrzunehmen. Jede Begleitung ist anders, deshalb ist es wichtig, durch achtsames Zuhören und wertschätzende Kommunikation für die Betroffenen und die Angehörigen da zu sein. Unser Ziel ist es, durch fachlich fundierte, ganzheitliche und individuelle Pflege Unterstützung zu geben und Angehörige oder Freunde in das Pflegekonzept zu integrieren. Wie unterscheidet sich Palliativpflege von „normaler“ Pflege? Die Palliativpflege unterscheidet sich in verschiedenen Aufgabenbereichen von der normalen Pflege. Man blickt gezielter darauf, was der Betroffene gerade benötigt und was für die Person angenehm ist und zum Wohlfühlfaktor beiträgt. Häufig kommen komplementäre Ansätze, wie zum Beispiel Aromapflege für schmerzlindernde Einreibungen, Waschungen oder sanfte Fußmassagen, zum Einsatz. Essen und Trinken ist am Lebensende oft nicht mehr möglich. Das ist für die Angehörigen häufig schwer zu ertragen. Hier ist es wichtig, ihnen zu zeigen, wie sie etwa Mundpflege mit Lieblings- getränken durchführen können. Welche Wünsche und Bedürfnisse begegnen Ihnen bei Menschen am Lebensende immer wieder? Häufig gibt es den Wunsch, jemanden noch einmal zu sehen, etwa wenn dieser Mensch weit entfernt lebt. Es gibt auch Menschen, die mit jemandem Streit hatten und bei denen etwas nicht ausgesprochen wurde. Es kann sein, dass ein Mensch nicht gehen kann, weil noch etwas offen ist. Viele wünschen sich am Lebensende vor allem, Zeit mit ihren Liebsten zu verbringen und in einer vertrauten Umgebung zu sein. Das Bedürfnis nach Geborgenheit ist sehr stark. Manche möchten zum Beispiel noch auf ein Konzert gehen oder bei der Hochzeit eines Enkelkindes dabei sein. Verändert sich der Blick auf das eigene Leben, wenn Menschen wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt? Wenn Menschen wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt, möchten sie oft noch vieles regeln und Vorsorge für ihre Angehörigen treffen. Die Familie spielt meistens eine große Rolle. Zwischenmenschliche Beziehungen sind am Lebensende wichtig und gemeinsame Momente und schöne Erlebnisse werden bewusster wahrgenommen. Palliativpflege kann bei der Gestaltung der letzten Lebensphase einen wertvollen Beitrag leisten. DGKP Ursula Kittenberger-Huth, stellvertretende Pflegemanagerin und Palliative Care beim Hilfswerk NÖ rapien immer länger mit schweren chronischen oder onkologischen Erkrankungen leben, müssen wir neben der Frage ‚Wie lange kann jemand leben?‘ genauso fragen: ‚Wie kann dieser Mensch leben?‘ Lebensqualität, Symptomkontrolle, Kommunikation, Therapiezielentscheidungen und die Unterstützung der Familie sind keine Nebenthemen. Sie gehören ins Zentrum einer patientenzentrierten Medizin.“ Für die Zukunft wünscht sich die Medizinerin vor allem, dass Palliative Care noch früher und selbstverständlicher in die Behandlung schwerkranker Menschen integriert wird. „Wir sollten nicht warten, bis eine Situation eskaliert oder alle krankheitsgerichteten Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Entscheidend ist nicht die Frage: Ist dieser Patient schon palliativ? Sondern: Hat dieser Mensch palliative Bedürfnisse? Wir brauchen Palliativmedizin nicht nur in der Versorgung, sondern genauso in Lehre und Forschung. In der universitären Verankerung haben wir allerdings noch etwas Aufholbedarf. Mein großer Wunsch wäre daher ein eigener Lehrstuhl für Palliativmedizin.“ „HELDINNEN UND HELDEN“ Für Birgit Kum-Taucher neigt sich die Zeit auf der Palliativstation langsam dem Ende zu. Im kommenden Sommer tritt sie ihren Ruhestand an. Ihre langjährige Arbeit mit den Palliativpatientinnen und -patienten ist für sie sehr erfüllend: „Jede Begegnung ist schön. Manchmal fließen Tränen und man sieht, dass sich bei den Angehörigen etwas löst. Manchmal ist man erleichtert, wenn jemand gehen kann. Es ist schön, strahlende Augen zu sehen, wenn man gerade ein Symptom gelindert hat, jemand wieder mobiler wird oder die Übelkeit sich bessert. Je älter ich werde, umso dankbarer werde ich. Ich lerne selbst so viel von meinen Patientinnen und Patienten. Sie alle sind Heldinnen und Helden.“ DANIELA RITTMANNSBERGER-KAMPEL n Die Palliativpflege-Betreuung des Hilfswerks ermöglicht es schwerkranken Menschen, ihre letzte Lebenszeit in ihrer gewohnten Umgebung zu verbringen. Dabei stehen Expertinnen und Experten mit fundiertem Fachwissen zur Seite. Die Tarife sind sozial gestaffelt und orientieren sich am Familieneinkommen. Informationen: www.hilfswerk.at Mobile PALLIATIVPFLEGE 47 www.gesundundleben.at 10 / 26
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