WENN CARE-ARBEIT KRANK MACHT Ein Thema zieht sich dabei immer wieder durch: Care-Arbeit. Kinder betreuen, Angehörige pflegen, den Alltag organisieren: Vieles davon geschieht nebenbei und unbezahlt. „Es geht auch darum, dass diese unsichtbare Arbeit wahrgenommen wird“, sagt delle Grazie. Nicht nur von den Frauen selbst, sondern ebenso von Partnern, Gesellschaft und Politik. Denn permanente Verantwortung kann zur Belastung für die eigene Gesundheit werden. Seidl-Koch sieht deshalb gerade beim Zusammenspiel von Care-Arbeit, psychischer Belastung und Burnout weiteren Handlungsbedarf. „Wichtig ist das Bewusstsein, dass man für sich selbst etwas tun darf – ohne schlechtes Gewissen.“ Dazu gehört auch, über Strukturen zu sprechen. Beide Frauen engagierten sich ursprünglich kommunalpolitisch, weil sie erlebten, wie schwierig Anliegen rund um Familie und Kinderbetreuung teils durchzusetzen waren. Gerade im ländlichen Raum entscheidet eine ausreichende Kinderbetreuung mit darüber, welche beruflichen Möglichkeiten Mütter haben. Wer für den Arbeitsplatz pendeln muss, dem helfen Öffnungszeiten von acht bis 16 Uhr nur begrenzt. Das hat langfristig auch gesundheitliche und soziale Auswirkungen. Weniger Erwerbsarbeit bedeutet weniger Einkommen und häufig eine niedrigere Pension. Altersarmut ist daher eines jener Themen, die delle Grazie im Zusammenhang mit Frauengesundheit stärker diskutiert sehen möchte. Auch frauenspezifische medizinische Versorgung, die Wechseljahre und psychische Belastungen und der Mental Load von Frauen würden ihrer Ansicht nach zu häufig im Hintergrund bleiben. EIN DORF DER KURZEN WEGE Wie stark Gesundheit und Lebensbedingungen zusammenhängen, zeigt in Kreuzstetten auch ein Projekt abseits klassischer Gesundheitsförderung. Mit „Arbeit im Dorf“ wurde ein Leerstand genutzt, um Arbeitsplätze und Praxisräume direkt im Ort zu schaffen. Heute arbeiten dort unter anderem eine Physio- und eine Psychotherapeutin, eine Hebamme, eine Kosmetikerin und eine Fußpflegerin. Besonders für Frauen und junge Mütter könne die Möglichkeit, wohnortnah zu arbeiten oder sich selbstständig zu machen, vieles erleichtern. Gleichzeitig profitiert die Gemeinde von zusätzlicher Infrastruktur. Auch bei den Gesundheitsangeboten sollen künftig weitere Gruppen angesprochen werden. Geplant sind unter anderem neue Themenwanderungen – darunter bewusst auch ein Angebot für Männer. Daneben sollen ältere Menschen stärker in den Fokus rücken. Mit Angeboten wie dem LIMA-Programm und Community Nursing sollen Gesundheit, soziale Teilhabe und auch Einsamkeit im Alter thematisiert werden. „Die eigene Gesundheit ist das Fundament für alles andere“, sagt Seidl-Koch. Sich Zeit für Bewegung, psychische Gesundheit, Freundschaften oder berufliche Interessen zu nehmen, sei deshalb kein Luxus. Ebenso wenig gebe es nur einen richtigen Lebensentwurf. Manche Frauen möchten sich überwiegend ihrer Familie widmen, andere möchten zusätzlich die Herausforderung und Abwechslung des Berufslebens. „Das sollte alles okay sein.“ MICHAELA NEUBAUER n IN DER RUHE LIEGT DIE KRAFT! Die in besten Händen Bank. Eine Information der HYPO NOE Landesbank für Niederösterreich und Wien AG, Hypogasse 1, 3100 St. Pölten. Stand 09/2026. Werbung. CORNELIA SITTLER Kundenbetreuerin in Wr. Neustadt. Beim Yoga beweist sie Beweglichkeit – in der Beratung überzeugt sie mit Flexibilität und findet so für ihre Kundinnen und Kunden genau die passende Lösung. ANZEIGE Bei der Themenwanderung „Unsichtbare Frauen“ wird über Benachteiligungen von Frauen in der Gesellschaft diskutiert. 49 www.gesundundleben.at 10 / 26 FOTO: BEIGESTELLT GESUNDHEIT
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